Angehörige der 43 Studenten: Militär und Bundespolizei beteiligt

Mexiko-Stadt. Die Eltern der 43 verschwundenen Studenten aus Ayotzinapa im Bundesstaat Guerrero fordern von Präsident Enrique Peña Nieto, Ermittlungen gegen Mitglieder des Militärs und der Bundespolizei aufzunehmen.

Von Leticia Hillenbrand
amerika21.de vom 3.12.2014

Es gebe genügend Beweise für die Beteiligung dieser nationalen Sicherheitskräfte an der Verschleppung der Studenten in der Nacht von 26. zum 27.September dieses Jahres in Iguala. Dies erklärte der Anwalt der Familienangehörigen, Vidulfo Rosales, von der Menschenrechtsorganisation Tlachinollan. Eine gründliche Untersuchung könnte weitere Indizien über den Verbleib der Studenten liefern. Darüber hinaus gehe es den Eltern der Verschwundenen sowie der Zivilgesellschaft darum, dass alle Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.

Das für den 27. November geplante Treffen mit der Nationalen Sicherheitskommission hatten die Eltern aus Protest abgesagt. Die Regierung habe nach wie vor keine ernsthaften Ermittlungen unternommen. Peña Nieto halte an seiner zweifelhaften Erklärung fest, die Studenten seien von Mitgliedern der Drogenbande „Los Guerreros Unidos“ ermordet worden. Auch mache er ausschließlich die Lokalpolizei mitverantwortlich für das Geschehen. „Was die mexikanische Regierung eigentlich beabsichtigt, ist, den Fall so schnell wie möglich für beendet zu erklären“, sagte [1] Abel Barrera, der Leiter von Tlachinollan.

Die Nationale Volksversammlung (ANP) gab indes den „Allgemeinen Aktionsplan für die 43 Studenten“ bekannt [2]. Damit wollen die mehr als 15 Mitgliedsorganisationen der ANP ihre Solidarität mit den Eltern der Studenten bekunden und den Druck auf die Regierung erhöhen, die Suche nach den jungen Männern zu intensivieren. Im Rahmen des Planes sind verschiedene Aktionen vorgesehen. Die erste begann bereits am vergangenen Samstag mit der Bildung von kommunalen Räten in sechs Städten im Bundesstaat Guerrero, in denen seit Wochen Besetzungen durch Mitglieder der unabhängigen Lehrergewerkschaft (CNTE) stattfinden.

Am 1. Dezember wurde ein landesweiter Streik durchgeführt. Tausende beteiligten sich an Demonstrationen in mindestens 15 Bundesstaaten und forderten den Rücktritt des Präsidenten. Es fanden Blockaden von Autobahnen, Besetzungen von Radio- und Fernsehsendern, von Flughäfen und Häfen sowie Protestaktionen vor mexikanischen Regierungsgebäuden, ausländischen Botschaften und Konsulaten statt.

Für den 6. Dezember ist eine symbolische Besetzung der Hauptstadt Mexikos geplant, zu der auch die Lehrergewerkschaft CNTE aufruft. Unter anderem soll eine Reiterstaffel von Mitgliedern unabhängiger Bauernorganisationen durch die Hauptstadt reiten. Diese wollen nicht nur gegen das Verschwindenlassen der Studenten, sondern auch gegen die neoliberale Politik der Regierung Peña Nieto protestieren. Durch die Vergabe von Lizenzen an große transnationale Konzerne zur Nutzung von natürlichen Ressourcen werde den Bauerngemeinden Mexikos das Land entzogen.

Links:
[1] http://www.tlachinollan.org/nota-gobierno-de-mexico-valida-version-del-asesinato-para-el-cerrar-el-caso/
[2] http://www.telesurtv.net/news/Acuerdan-plan-de-accion-general-por-los-43-de-Ayotzinapa-20141129-0015.html

Erschienen auf amerika21

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